Stadtkirche | Pfarramt
Stadtkirche

Okenstr. 2
77652 Offenburg
77652 Offenburg
Die Stadtkirche ist ein neugotischer Kirchenbau auf kreuzförmigem Grundriss. Direkt über dem Hauptportal am Südende erhebt sich der dominierende, stark gegliederte Turm. Die Kirche, bei ihrer Erbauung am Nordende der Stadt gelegen, ist von nahezu jedem Punkt der Hauptstraße aus zu sehen und bildet einen charakteristischen Blickpunkt für Offenburgs Innenstadt.
Bauzeit
Die ursprünglichen Pläne für unsere Stadtkirche stammten vom Karlsruher Baurat Jakob Friedrich Eisenlohr. Nach dessen Tod 1855 kam die Planung in andere Hände. Mit dem Bau der Stadtkirche wurde dann 1857 begonnen.
Altarraum
Der Heidelberger Architekt Eduard Hermann, der die Baupläne umgestaltet und vor allem den Turm nach eigenen Ideen wesentlich verändert hatte, verstarb im Spätjahr 1860. Nach längerer Zwischenzeit führte Baurat Ludwig Arnold aus Emmendingen das Werk zu Ende. Die Kirche besaß nach ihrer Vollendung nur noch wenig von dem Aussehen, das ihr Eisenlohr in seinen Plänen geben wollte.Rosette
Auch Geldmangel war ein wesentlicher Grund für die lange Bauzeit. 1854, als die Evangelische Kirchengemeinde die Genehmigung zum Bau erhielt, waren nur zehn Prozent der Offenburger Bürger protestantisch. Mit Hilfe von großzügigen Spenden aus den Nachbargemeinden, aus Großstädten wie Zürch, Riga, Paris, London und vor allem vom "Gustav-Adolf-Verein" (1832 gegründet zur Unterstützung evangelischer Gemeinden in konfessionell anders denkender Umgebung), gelang es dennoch, die Kirche zu finanzieren.Taufbecken
So konnte die Grundsteinlegung im Sockel des Pfeilers, der die Kanzel trägt, am 9. Juli 1857 und nach einer Bauzeit von sieben Jahren, am 25. August 1864 die Einweihung der Kirche stattfinden. Die Baukosten betrugen insgesamt 175000 Mark. Besuchen Sie unsere Kirche jeden Tag (auch an Sonn- und Feiertagen) diese ist von 10-18 Uhr geöffnet.
Steinmeyer-Orgel
Ihre Geschichte
Bis 1962 stand eine zweimanualige Orgel in einem neu-gotischen Gehäuse auf unserer Empore. Nach der vorletzten Renovierung beschloss man, eine größere zu bauen und das schöne gotische Gehäuse wurde geopfert. Viele Pfeifen aus der damaligen Orgel wurden aber übernommen, so dass circa ein Drittel unserer jetzigen Orgel schon ein Jahrhundert alt ist. Dies trifft vor allem auf weiche Flötenregister aus Holz. Die Orgeln von 1902 und 1962 stammen aus der Werkstatt von G.F. Steinmeyer in Oettingen, Bayern, einer namhaften Firma, die bis vor einem Jahr noch in Familienbesitz war und bekannt ist für die sehr gute Qualität der Technik.Es begab sich zu dieser Zeit, dass die KG Ottenheim beschloss, ihre alte Steinmeyer-Orgel durch einen Neubau zu ersetzen, für uns ergab sich die Gelegenheit, sehr preisgünstig eine Windlade aus der dortigen Orgel zu kaufen. Die Windlade ist der Kasten, auf welchem die Pfeifenreihen stehen und in welchem, mit Ventilen und Kanälen die Befehle des Spielers umgesetzt werden und die Luft an die jeweilige Pfeifen freigegeben wird. Kurzum das Herz und die Niere der Orgel.Gleichzeitig musste aber das Schwellwerk um 1 m nach vorne erweitert werden und hiermit war Platz für 5 neue Register geschaffen.Das Schwellwerk ist der große Kasten in der Mitte hinten (aus dem Altarraum gut zu sehen), in welchem alle Register der dritten Manualklaviatur untergebracht sind. Durch Schließen und Öffnen der Jalousien lässt sich der Ton auf- und abschwellen und somit ein Lauter- und Leiserwerden ohne Änderung der Klangfarbe erreichen.Inzwischen stehen auf der neuen Windlade schon 4 der 5 neuen Register, die der Orgel noch romantischer machen sollen, die säuselnden und schmetternden Stimmen.Ein Register ist mehr als der Bedienungsknopf am Spieltisch: da jede Pfeife nur einen Ton von sich gibt, braucht man beim üblichen Tastaturumfang 56 verschieden lange Pfeifen gleicher Bauart. Die Länge der größten Pfeife in Fußmaß ist im Namen des Registers enthalten, demnach ist die größte Pfeife der Flöte 8' ohne den Fuß 2,4 m lang, die kleinste Pfeife des Sifflöte 1' gerade mal anderthalb cm lang. Die größte sichtbare Pfeife an unserer Orgel ist das C des Prinzipals 16' im linken Pedalturm und misst mit Fuß gut 6 Meter. Bis jetzt sind nur 2 nagelneue Register in unsere Orgel eingebaut worden: das eine ist das Cornet, das nur 35 Töne in der Mittel- und Höhenlage hat, aber zu jedem Ton 4 verschiedenen Pfeifen gleichzeitig erklingen lässt. Diese Klangfarbe lässt sich in Worten leider nicht erklären.
Verständlicher wird es bei der Trompette harmonique 8‚, sie klingt so wie ihr Name suggeriert und ist keine herkömmliche Pfeife, da der Ton mit einer Messing Zunge gebildet und in einem konischen Pfeifenkörper verstärkt wird; die 56 Pfeifen dieses Registers kosten ab Pfeifenfabrik schon ¤ 3000,-, aber der Ton verleiht der Orgel Glanz und Kraft.Die übrigen Register haben wir kostengünstiger aus dem Pfeifenlager der Orgelfirma Vier erhalten und sie stammen auch aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts.Die Gamba 8' kommt aus einer Süd-Tiroler Orgel. Der Ton ist etwas streichend aber natürlich nicht mit einer echten Viola da gamba zu verwechseln. Die Vox Celestis (Stimme des Himmels) ist eigentlich das Markenzeichen der Orgelromantik. Neben der Gambe 8' steht ein noch enger mensuriertes Register gleicher Bauart und leicht verstimmt in der Tonhöhe. Dadurch entsteht eine Vibration zwei konkurrierender Töne, ein Säuseln aus himmlischen Sphären.Schließlich rundet die Flute harmonique 8' das Bild ab. Diese Holzflöte hat dadurch eine besonders weiche und charakteristische Farbe, weil sie in doppelter Länge gebaut ist und in der Mitte des Pfeifenkorpus ein kleines Loch hat. Sie oktaviert, genauso wie, wenn ein Blockflötenspieler das Daumenloch freimacht und in die höhere Stimmlage gelangt.Durch Tauschaktionen gibt es weitere Bereicherungen der Klangpalette zu melden:Die Terzzimbel aus dem Rückpositiv kommt auf Lager, an ihren Platz kommt das Rankett aus dem Schwellwerk. An seinem Platz steht jetzt ein Fugara 4', ein enges Streichregister.Die Schalmei 4' aus dem Schwellwerk kommt auf Lager, an ihren Platz kam die Trompete 4' aus dem Hauptwerk und an dessen Platz das Cornet.. Das Bourdon 16' aus dem Schwellwerk, das bis jetzt nur als Pedalregister spielbar war, ist jetzt auch als komplettes Schwellwerkregister hörbar und zusätzlich im Pedal als Bourdon 32' in den tiefsten Frequenzen, die das menschliche Gehör registriert (der tiefste Ton hat ca. 16 Hz) vernehmbar. Schließlich ist das Register Scharff aus dem Schwellwerk durch eine tiefliegende Mixtur ersetzt worden.Das 51. und letzte Register der Orgel, Fagott 16', wurde dann im Laufe von 2003 eingebaut und gibt der Orgel ihre volle Klanggravität.Unsere Orgel ist nun mit 51 Registern einigermaßen komplett und sie hat weit und breit das größte Schwellwerk mit 19 klingenden Registern.
Der Spieltisch
Der Spieltisch der Orgel ist auf der ganzen Empore fahrbar und die Verbindung mit der Orgel ist rein elektrisch. Tausende von Kontakten, Relais, Magneten und Ventilen sorgen für den Rest.Im Spieltisch sind circa 250 Bedienungsknöpfe und in der Orgel werden demnächst im Rückpositiv 392, im Pedal 450, im Hauptwerk 1036 und im Schwellwerk 1220 Pfeifen ihren Dienst tun, insgesamt 3098, ca. 1 Pfeife pro Gemeindeglied!Verfasst von Kirchenmusikdirektor Georges AubertBezirkskantor von 1979 bis 2003.




























