Gott schlägt sein Zelt auf – mitten unter uns

Gott wohnt nicht im Palast, sondern mitten im Leben: verletzlich, nah, ohne Abstand. Weihnachten zeigt, wie Gott Nähe sucht – im Stall, im Alltag, im Zelt nebenan.

Predigt Christvesper Hesekiel 37 
Vorausgegangen: Trailer Nomadland 

Liebe Gemeinde,  
Wer von Euch war schon mal zelten?  
So richtig zelten – nicht nur in einem Van,  
einem Wohnmobil mit eingebauter Küche und Toilette;  
wie Fern in dem Trailer, den wir gerade gesehen haben.  
Richtig zelten; mit allem Drum und Dran.  
Mit Heringen im Boden, einer Isomatte, die nachts immer 
verrutscht, und dem nächtlichen Gang zur Toilettenanlage – 
barfuß, versteht sich, bei fünf Grad und Nebel.  
Oder bei Platzregen. Vielleicht auch mit nassen Füßen und  
viel zu dünnem Schlafsack.  
(Sie müssen sich nicht melden, aber vllt mal ein klein wenig nicken).  
Dann wisst ihr ja: Zelten ist nichts für Kontrollfreaks.  
Ein Zelt bedeutet: kein fester Boden, keine dicken Wände.  
Kein „Ich mach mal schnell die Tür zu“.  
Man ist geschützt – und doch ein bisschen ausgeliefert –  
dem Wetter, den Geräuschen der Nachbar*innen,  
den Launen des Campingplatzlebens.  
Man hat keine Distanz. Keinen Rückzug.  
Und genau deshalb, liebe Gemeinde, liebt Gott Zelte.  
 
Heute, wie schon damals beim Propheten Hesekiel,  
sagt Gott (sinngemäß): „Ich will unter euch wohnen.  
Mein Heiligtum – mein Zelt – ist bei euch.“  
Das ist eine erstaunliche Aussage.  
Denn man könnte ja meinen, Gott gehöre in einen Tempel oder 
in eine Kathedrale. In die obere Etage des Universums.  
Aber nein, Gott sagt: Ich komme zu euch. Nicht in einen Palast, 
hinter Zaun und Stacheldraht. Nicht auf einen Rathaus-Balkon, 
auf dem sich Sieger feiern lassen.  
Ich schlage mein Zelt mitten unter euch auf. 
Direkt nebenan. Zwischen Wäscheleine und Campingstuhl. 
Zwischen Alltag und Ausnahmezustand stellt Gott sein Zelt. 
Und er schläft im selben Regen.  

Hört, wie im Zelt nebenan geschnarcht, gestritten oder auch 
gekuschelt wird. Gott ist da: nah, ungeschützt, echt,  
ohne Abstand und ohne Filter,  
nicht über den Dingen, sondern mittendrin.  
Das ist ein Wunder. Der himmlische, allmächtige Gott so 
bodennah und ungeschützt. Verletzlich und klein.  
Er will das so. Genau so. Genau so will er uns begegnen.  
Da, wo unser echtes Leben spielt – nicht im Hochglanz, 
sondern im Dazwischen.  

Gott liebt Zwischenräume und Gegensätze.  
Da fühlt er sich ganz zu Hause.  
Und an Weihnachten können wir das ganz besonders erfahren:  
Gott tauscht seine Größe gegen Nähe.  
Er gibt seine Allmacht auf – und wird verletzlich.  
Er steigt vom Thron – und legt sich in eine Futterkrippe.  
Den Tempel tauscht er gegen ein Zelt.  
Das ist kein Ausrutscher. Kein Notbehelf.  
Keine Verlegenheitslösung. Das ist Absicht.  
Denn echte Liebe herrscht nicht– sie hält aus. Sie stellt sich 
dem Leben, will begegnen. Was für Gott zählt, ist die 
Beziehung.  
Und genau deshalb bezieht Gott nicht ein First-Class-Hotel mit 
einer goldenen Matratze. All inclusive. Er kommt in einem Stall 
zu Welt, wo es nach Heu, nach Tieren und Leben riecht.   
Gott zeltet.  
Gott sucht das einfache Leben. Den Stall. Er kommt als Baby.  
Ein Baby, das schreit, das riecht, das nichts kann – außer da 
sein. Und genau das ist seine größte Stärke. Da sein!  
Deshalb nur ein Kind. In Windeln gewickelt. In einem Futtertrog 
abgelegt. Völlig abhängig. Verletzlich, dünn seine Haut und sein 
Abstand zu uns; dünn wie die Hülle eines Zeltes.  
Das ist entweder genial oder völlig verrückt.  
Oder vielleicht beides – auf göttliche Weise.  
Denn echte Beziehung braucht keine Perfektion. Sie braucht 
Gegenwart. Bedingungsloses Dasein. Und genau das schenkt 
Gott uns – schenkt sich uns -  
mit Haut und Haaren, mit Herz und Leidenschaft.   

Ich komme nochmals zurück auf die Worte des Propheten 
Hesekiel. Gesprochen zu Menschen in einer verzweifelten, 
einer verfahrenen Lage.   
Der Tempel in Jerusalem war zerstört.  
Das Herzstück ihres Glaubenslebens lag in Trümmern.  
Der Ort, an dem Gott gewohnt hatte, war weg.  
Der heilige Ort, zu dem man hingehen konnte, wenn man Trost 
brauchte oder Vertrauen schöpfen wollte. - Vergangenheit! 
Und selbst wenn der Tempel noch stehen würde:  
Das Volk Gottes – die Menschen sind nicht mehr da.  
Sie sind verschleppt, entwurzelt, heimatlos.  
Weit weg von allem, was vertraut ist.  
Und in dieser verzweifelten Situation – in diesem Nichts –  
sagt Gott zu ihnen: Dann komme ich eben zu euch.  
Und er stellt quasi sein Zelt auf. Nur ein Zelt.  
Gottes Statement: „Ich bin da, wo ihr seid.“  
Das ist ein radikaler Neuanfang.  
Mitten in der Wüste. Mitten im Verlust. Mitten im Leben, das 
gerade nicht glänzt, sondern stöhnt und leidet.  
Und damit trifft Hesekiel einen Ton, der bis heute nachklingt – 
mitten in diese Welt hinein, in der so vieles instabil, unsicher 
und offen ist. 

Liebe Gemeinde.  
In diesen Worten, in dieser Melodie schwingt so viel 
Verheißung und Zuversicht mit.  
Ich finde es wunderbar, dass wir Christ*innen an diesem 
Weihnachtsabend uns in diese jüdische Hoffnungs-Melodie 
hineinstellen können. Denn wir tragen ja diese Sehnsucht nach 
Heil und Heilung, nach Frieden und Shalom in uns.  
Gottes Zusage: „Ich bin da.  
Ich schenke euch Frieden, für alle Zeiten.  
Ich will unter euch wohnen.  
Mein Heiligtum, mein Zelt, ist immer bei euch.“  
Diese Verheißung Gottes gilt allen Menschen.  
Gottes Frieden ist nicht exklusiv, ist nicht nur für Gottes 
auserwähltes Volk bestimmt. Er schließt alle Menschen und alle 
Völker ein, auf der ganzen Welt.  

Gott stiftet Gemeinschaft und überwindet Grenzen; auch 
zwischen denen, die sich fremd sind und sich gegenseitig 
verletzt haben; die sich misstrauen.  
Gott stellt sein Zelt auf, um als Nachbar zwischen ihnen zu 
wohnen. Und er lädt sie alle ein: Zum Friedensfest vor seinem 
Zelt. Mit Brot und Wein, Falafel und Oliven, Musik und Tanz.  
In dieser Gemeinschaft merken sie, dass sie alle Menschen sind.  
Und dass man sich nicht immer lieben muss, aber doch 
miteinander leben kann. Und sogar viel Gutes an den anderen 
entdecken kann.  
 
Kommen wir zurück hierher nach Offenburg. Und diesmal 
geht die Frage nicht nur an die Camper*innen unter euch:  
Rechnest du damit, dass Gottes Zelt auch bei dir steht?  
Wo in deinem Leben, deinem Zuhause wäre Platz für so ein 
göttliches Zelt? Nicht als frommes Möbelstück, nicht als Deko 
fürs Fensterbrett, sondern als echter Ort:  
für Frieden und Heil, für Menschlichkeit, für Hoffnung?  
Ein Ort, wo Gott wohnen kann – ganz in deiner Nähe?  
Es ist gut, wenn du die Frage mitnimmst und im Herzen 
bewegst.  
Zugleich: Wundere dich nicht, wenn es anders kommt.  
Denn kommt Gott ungefragt.  
Wir haben einen Gott, der nicht wartet, bis wir eine Einladung 
geschrieben oder gar aufgeräumt haben.  
Gott kommt, mitten hinein.  
Zwischen Gänsebraten und Familienchaos.  
Zwischen Einsamkeit am Tannenbaum und Lachen beim 
gemeinsamen Spiel. Zwischen Kuss und einem „Adieu“.  
Am Küchentisch, im Jugendzimmer,  
am Krankenbett auf der Intensivstation.  
Gott ist da. Ganz nah. 
Genau dort. genau da; bei dir! Da stellt Gott sein Zelt auf und 
ist nur eine hauchdünne Zeltwand von dir entfernt.  
„Ich will bei dir wohnen!“  
Und der Friede Gottes, der weiter und näher ist als wir uns vorstellen 
können, bewahre eure Herzen und Sinne in XJ.  
Amen.